Was braucht eine gute Unternehmenswebsite wirklich?
Eine gute Unternehmenswebsite braucht weniger Zeug, als viele Projekte vermuten lassen. Sie muss nicht mit Animationen, zwanzig Unterseiten und einer halben Marketingabteilung beeindrucken. Sie muss vor allem dafür sorgen, dass ein potenzieller Kunde schnell versteht, mit wem er es zu tun hat, was das Unternehmen anbietet, warum er ihm vertrauen kann und was er als Nächstes tun soll.
Dafür braucht es klare Inhalte, gutes Design, eine vernünftige technische Grundlage und eine Struktur, die zum tatsächlichen Geschäft passt. Alles darüber hinaus sollte einen konkreten Zweck haben.
Wenn niemand erklären kann, warum eine Funktion, Seite oder Animation auf der Website existiert, braucht das Unternehmen sie wahrscheinlich auch nicht.
Eine Unternehmenswebsite muss zuerst einmal verständlich sein
Viele Website-Projekte beginnen mit der falschen Frage.
Welche Farben nehmen wir? Brauchen wir Animationen? Wie groß soll das Logo sein? Soll im Hero ein Video laufen? Können wir beim Scrollen irgendetwas Spektakuläres machen?
Alles legitime Fragen. Nur kommen sie zu früh.
Die erste Frage müsste lauten: Versteht ein Mensch, der dieses Unternehmen noch nicht kennt, innerhalb kurzer Zeit, was hier eigentlich angeboten wird?
Das klingt fast beleidigend einfach. Trotzdem scheitern erstaunlich viele Websites genau daran.
Da steht dann „Ihr Partner für innovative Lösungen“, darunter ein Absatz über Leidenschaft, Qualität und langjährige Erfahrung. Man erfährt, dass das Unternehmen seine Kunden in den Mittelpunkt stellt und gemeinsam mit ihnen die Zukunft gestaltet. Nach zwei Minuten bleibt nur eine Kleinigkeit offen: Was verkauft ihr eigentlich?
Eine Website ist kein Unternehmensquiz.
Ein Interessent sollte nicht erst die „Über uns“-Seite, drei Leistungsbereiche und eine PDF durchforsten müssen, um herauszufinden, ob ihr sein Problem überhaupt lösen könnt.
Eine gute Startseite schafft deshalb zuerst Orientierung. Sie macht klar, was das Unternehmen tut, für wen es das tut und warum das relevant ist. Nicht jedes Detail muss sofort erklärt werden, aber die grundlegende Einordnung darf keine Detektivarbeit sein.
Gerade bei komplexeren Dienstleistungen wird Klarheit oft mit Vereinfachung verwechselt. Ein Unternehmen sagt dann, sein Angebot sei eben zu speziell, um es in wenigen Sätzen zu erklären.
Mag sein.
Dann braucht es eben mehr als wenige Sätze.
Aber kompliziertes Geschäft ist keine Entschuldigung für komplizierte Kommunikation. Im Gegenteil. Je erklärungsbedürftiger ein Angebot ist, desto mehr Arbeit sollte die Website dabei übernehmen, es verständlich zu machen.
Danach muss sie die Fragen beantworten, die eine Kaufentscheidung blockieren
Wenn ein Besucher verstanden hat, was das Unternehmen macht, beginnt der wichtigere Teil.
Jetzt will er wissen, ob das Ganze auch für ihn passt.
Wie läuft die Zusammenarbeit ab? Welche Leistungen sind enthalten? Gibt es Erfahrung mit ähnlichen Projekten? Was unterscheidet dieses Unternehmen von anderen? Wie hoch ist ungefähr der Aufwand? Was passiert nach einer Anfrage? Gibt es Referenzen, Ergebnisse oder andere Gründe, dem Anbieter zu vertrauen?
Das sind keine Marketingfragen. Das sind ganz normale Fragen eines Menschen, der überlegt, Geld auszugeben.
Trotzdem werden viele davon auf Unternehmenswebsites erstaunlich konsequent vermieden.
Stattdessen gibt es sechs Absätze Unternehmensgeschichte, ein Leitbild und ein Foto der Geschäftsführung vor einer Glaswand.
Nichts davon ist grundsätzlich falsch. Die Frage ist nur, was einem Interessenten bei seiner Entscheidung tatsächlich hilft.
Eine gute Website betrachtet Inhalte deshalb nicht danach, was intern wichtig erscheint, sondern danach, was ein Kunde verstehen muss.
Ein Unternehmen ist verständlicherweise stolz auf seine Geschichte. Ein potenzieller Kunde möchte aber möglicherweise zuerst wissen, ob ihr sein Problem lösen könnt.
Das bedeutet nicht, dass jede Website Preise veröffentlichen, jeden Prozess offenlegen oder hundert Fragen beantworten muss. Manche Leistungen lassen sich nicht sinnvoll in ein Preisschild pressen, und manche Details gehören tatsächlich ins persönliche Gespräch.
Aber Informationen künstlich zurückzuhalten, nur damit jemand Kontakt aufnehmen muss, ist selten besonders clever.
Wenn ein Interessent erst ein Formular ausfüllen muss, um die Grundlagen deines Angebots zu erfahren, hast du keinen Lead gewonnen. Du hast ihm Arbeit gegeben.
Gutes Design soll Vertrauen schaffen, nicht vom Inhalt ablenken
Sobald Inhalt und Struktur klar sind, bekommt Design seinen eigentlichen Job.
Und der lautet nicht: möglichst kreativ aussehen.
Eine Unternehmenswebsite soll professionell wirken, zur Marke passen und Inhalte so präsentieren, dass Menschen sie schnell erfassen können. Sie sollte ein Gefühl dafür vermitteln, mit welcher Art von Unternehmen man es zu tun hat.
Das kann sehr unterschiedlich aussehen.
Eine Kanzlei braucht nicht dieselbe Ästhetik wie ein Modelabel. Ein Architekturbüro darf anders auftreten als ein Maschinenbauer. Ein Creator kann persönlicher sein als ein Steuerberater.
Gutes Design versucht deshalb nicht, jede Firma in denselben modernen Website-Look zu pressen.
Es übersetzt das Unternehmen.
Dabei entsteht Wertigkeit oft nicht durch möglichst viel Gestaltung, sondern durch gute Entscheidungen. Typografie, Abstände, Bilder, Hierarchie und ein konsistentes visuelles System bewirken häufig mehr als der nächste Effekt, der beim Scrollen irgendetwas von links nach rechts fliegen lässt.
Animation kann sinnvoll sein. Video kann sinnvoll sein. Aufwendige Interaktion kann sinnvoll sein.
Sie sollte nur einen Grund haben.
Wenn der Grund lautet „Sieht cool aus“, darf man kurz nachfragen, ob das wirklich reicht.
Besonders absurd wird es, wenn eine Website technisch und visuell beeindruckend ist, aber dadurch schwerer zu benutzen wird. Der Text bewegt sich, während man ihn lesen möchte. Navigationen verstecken sich hinter kreativen Icons. Ein Cursor bekommt eine Persönlichkeit, aber die Telefonnummer findet man nicht.
Dann hat das Design vergessen, für wen es arbeitet.
Eine gute Unternehmenswebsite darf Eindruck machen. Sie sollte dabei nur nicht im Weg stehen.
Technisch sollte sie vor allem unauffällig gut funktionieren
Technik ist einer dieser Bereiche, über die Kunden eigentlich möglichst wenig nachdenken sollten.
Niemand besucht eine Unternehmenswebsite mit großer Vorfreude darauf, SSL-Zertifikate, Caching oder Core Web Vitals zu bewundern. Menschen erwarten einfach, dass die Seite schnell lädt, auf ihrem Smartphone funktioniert und nicht beim Abschicken eines Formulars auseinanderfällt.
Das ist ungefähr wie Strom in einem Hotelzimmer. Man beschäftigt sich damit hauptsächlich dann, wenn er nicht funktioniert.
Eine gute Unternehmenswebsite braucht deshalb eine vernünftige technische Basis. Sie sollte schnell sein, auf unterschiedlichen Geräten sauber funktionieren, sicher betrieben werden und so aufgebaut sein, dass Inhalte gepflegt und neue Anforderungen ergänzt werden können, ohne jedes Mal das halbe System auseinanderzunehmen.
Dazu gehören auch Dinge, die im Alltag wenig Aufmerksamkeit bekommen: Backups, Updates, Formulare, Datenschutz, grundlegende Suchmaschinenoptimierung und ein Hosting, das zum tatsächlichen Bedarf passt.
Das klingt nicht besonders aufregend.
Muss es auch nicht.
Gute technische Infrastruktur sollte im besten Fall langweilig sein.
Problematisch wird es meistens erst, wenn Unternehmen an dieser Stelle falsch sparen oder unnötig übertreiben.
Die eine Firma betreibt ihren umsatzrelevanten Shop auf irgendeinem Billighosting, das beim nächsten größeren Besucheransturm die weiße Fahne schwenkt. Die andere bezahlt für eine Enterprise-Infrastruktur, obwohl monatlich ungefähr so viele Menschen auf die Website kommen wie in einen durchschnittlichen Düsseldorfer Kiosk.
Beides ist unnötig.
Die Technik sollte zum Geschäft passen, zuverlässig funktionieren und genug Spielraum für die nächsten sinnvollen Schritte bieten.
Mehr muss sie zunächst nicht beweisen.
Eine gute Website braucht auch nicht möglichst viele Seiten
Es gibt einen merkwürdigen Reflex bei Website-Projekten: Wenn schon neu gebaut wird, dann soll auch richtig viel drauf.
Also entstehen Unterseiten für jede Leistung, jede Unterleistung, jede Branche, jedes Teammitglied und vermutlich irgendwann noch für die Kaffeemaschine.
Mehr Seiten bedeuten aber nicht automatisch mehr Substanz.
Ein kleines Beratungsunternehmen kann mit fünf sehr guten Seiten deutlich überzeugender auftreten als mit dreißig Seiten, auf denen derselbe Inhalt immer wieder leicht umformuliert wird.
Die Struktur sollte aus dem Geschäft entstehen.
Eine einfache Website braucht vielleicht eine starke Startseite, sauber erklärte Leistungen, Referenzen, Informationen über das Unternehmen und eine vernünftige Kontaktmöglichkeit.
Ein anderes Unternehmen braucht wesentlich mehr. Unterschiedliche Zielgruppen benötigen eigene Einstiege, Produkte brauchen Detailseiten, Wissen wird über einen Blog aufgebaut oder komplexe Dienstleistungen müssen ausführlicher erklärt werden.
Die Frage lautet deshalb nicht: Wie viele Seiten braucht eine seriöse Unternehmenswebsite?
Sondern: Welche Informationen brauchen Menschen, um dieses konkrete Unternehmen zu verstehen und den nächsten Schritt machen zu können?
Jede Seite sollte darauf eine gute Antwort haben.
Wenn zwei Seiten im Grunde dasselbe sagen, kann wahrscheinlich eine davon weg.
Wenn eine Seite nur existiert, weil irgendwo in einer alten Sitemap schon immer „Philosophie“ stand, darf auch die weg.
Websites werden nicht besser, weil sie schwerer werden.
„Professionell“ bedeutet nicht, dass alles individuell entwickelt werden muss
Auf der anderen Seite wird Unternehmen gerne eingeredet, eine wirklich hochwertige Website müsse technisch möglichst individuell sein.
Auch das ist Quatsch.
Die meisten Unternehmen brauchen keinen selbst entwickelten Button, keinen proprietären Editor und kein Content-Management-System, das von drei Entwicklern speziell für ihre „einzigartigen Anforderungen“ gebaut wurde, obwohl diese Anforderungen hauptsächlich aus Text, Bildern und einem Kontaktformular bestehen.
Standardisierung ist etwas Gutes.
Sie spart Zeit und Geld an Stellen, an denen Individualität keinen echten Vorteil bringt.
Entscheidend ist, wo individuell gearbeitet wird.
Ein Unternehmen braucht vielleicht kein individuell programmiertes Fundament. Aber sein Angebot, seine Marke, seine Inhalte, seine Nutzerführung und gegebenenfalls spezielle Geschäftsprozesse können sehr wohl individuelle Lösungen verdienen.
Die Kunst besteht darin, beides nicht miteinander zu verwechseln.
Alles individuell zu bauen ist teuer und häufig unnötig.
Alles aus einem Template zu ziehen ist günstig und irgendwann ebenfalls begrenzt.
Eine gute Unternehmenswebsite nutzt Standards dort, wo Standards reichen, und investiert dort individuell, wo der Unterschied für das Unternehmen oder seine Kunden tatsächlich sichtbar wird.
Eine Website sollte mit dem Unternehmen wachsen können
Was ein Unternehmen heute braucht, muss nicht das sein, was es in zwei Jahren braucht.
Vielleicht startet die Website mit fünf Leistungen und einem Kontaktformular. Später kommen neue Zielgruppen dazu, ein Blog entsteht, Produkte werden online verkauft, Kampagnen brauchen eigene Landingpages oder ein interner Prozess soll digitalisiert werden.
Das ist normal.
Deshalb muss eine Website am ersten Tag nicht jede zukünftige Möglichkeit enthalten. Im Gegenteil: Wer versucht, schon heute sämtliche theoretischen Anforderungen der nächsten fünf Jahre einzuplanen, baut meistens unnötig komplex.
Die bessere Grundlage ist eine, die heute sinnvoll dimensioniert ist und morgen erweitert werden kann.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
„Skalierbar“ wird in der Tech-Welt gerne so behandelt, als müsse jeder Handwerksbetrieb vorsorglich auf zehn Millionen gleichzeitige Nutzer vorbereitet sein.
Darum geht es meistens überhaupt nicht.
Skalierbar kann schlicht bedeuten, dass eine neue Leistung ergänzt werden kann, ohne die Navigation neu erfinden zu müssen. Dass ein Shop später dazukommen kann. Dass die Marke überarbeitet werden kann, ohne jedes Element einzeln anzufassen. Oder dass eine individuelle Funktion eingebaut werden kann, wenn das Geschäft sie irgendwann wirklich braucht.
Eine gute Website ist nicht fertig für jede Zukunft.
Sie ist nur nicht absichtlich so gebaut, dass die nächste Veränderung wieder einen kompletten Neustart verlangt.
Was das für DesignPodio bedeutet
Genau diese Trennung ist für uns bei DesignPodio wichtig.
Unternehmen brauchen zunächst ein Fundament, das vernünftig funktioniert: Website, Commerce, Hosting, Performance, Sicherheit und die technischen Dinge, die nicht jedes Mal neu erfunden werden müssen.
Darauf sollte nicht automatisch noch eine Schicht aus unnötiger Komplexität folgen.
Wenn ein Unternehmen später mehr braucht, beginnt die individuelle Arbeit. Vielleicht muss die Marke weiterentwickelt werden, eine neue Landingpage soll stärker konvertieren, ein Shop braucht eine besondere Funktion oder aus einer einfachen Website entwickelt sich ein größeres digitales Produkt.
Dafür gibt es unseren Design Service.
Der Gedanke dahinter ist ziemlich simpel: Standardisieren, was standardisiert werden kann. Individuell gestalten und entwickeln, wo Individualität tatsächlich einen Unterschied macht.
Nicht jede Unternehmenswebsite braucht alles.
Sie braucht das Richtige.
Eine gute Unternehmenswebsite macht ihren Job
Am Ende lässt sich die ganze Diskussion erstaunlich einfach zusammenfassen.
Eine gute Unternehmenswebsite muss nicht die kreativste Website ihrer Branche sein. Sie muss keine zwanzig Auszeichnungen gewinnen und niemand muss beim ersten Scrollen ehrfürchtig seinen Laptop zuklappen.
Sie sollte dafür sorgen, dass ein Interessent versteht, was das Unternehmen macht, warum er ihm vertrauen kann und wie es für ihn weitergeht. Sie sollte vernünftig aussehen, zuverlässig funktionieren und sich verändern können, wenn sich das Geschäft verändert.
Alles Weitere ist optional.
Man kann danach immer noch über Animationen, AI, interaktive Elemente, Videos, ausgefallene Produktseiten und all die anderen Dinge sprechen, die eine Website stärker machen können.
Aber zuerst müssen die Grundlagen stimmen.
Denn eine beeindruckende Website, die niemand versteht, ist am Ende nur sehr aufwendig produziertes Missverständnis.