Blog Article

Website selbst bauen, Freelancer oder Agentur?

Karen Imani
Designer & Artist

Es gibt nicht die eine richtige Art, eine Website bauen zu lassen. Ein junges Unternehmen mit wenig Budget und einem einfachen Angebot kann mit einem guten Baukasten völlig vernünftig starten. Ein Freelancer kann ideal sein, wenn eine Person das Projekt überschaubar abdecken kann. Eine Agentur ergibt Sinn, sobald Strategie, Design, Entwicklung, Inhalte oder mehrere Systeme sauber zusammenspielen müssen.

Der Fehler liegt meistens nicht darin, eine dieser Optionen zu wählen. Der Fehler liegt darin, für ein kleines Problem eine riesige Lösung zu kaufen oder für ein großes Problem eine Lösung zu wählen, die von Anfang an zu klein ist.

Eigentlich vergleichst du keine Anbieter. Du vergleichst unterschiedliche Arten, Arbeit zu organisieren.

Wenn ein Unternehmen eine neue Website braucht, landet es früher oder später bei derselben Frage: Selbst bauen, Freelancer nehmen oder Agentur beauftragen?

Dann beginnt meistens der Preisvergleich. Der Baukasten kostet vielleicht ein paar hundert Euro im Jahr. Ein Freelancer nennt 4.000 Euro. Die Agentur möchte 15.000 oder 30.000.

Auf den ersten Blick sieht das aus wie dreimal dieselbe Sache zu drei sehr unterschiedlichen Preisen. Ist es aber nicht. Du kaufst nicht einfach dreimal „eine Website“, sondern entscheidest, wer die Arbeit übernimmt, wie viel davon bereits standardisiert ist, welche Fähigkeiten gebraucht werden und wie viel Verantwortung du selbst behalten möchtest.

Wenn du diesen Unterschied ignorierst, wirkt die Agentur absurd teuer und der Baukasten unschlagbar günstig. Bis du merkst, dass du bei Variante eins auch Strategie, Texte, Bilder, Struktur und zwanzig kleine Entscheidungen selbst übernommen hast. Oder du stellst später fest, dass die 3.000-Euro-Website zwar technisch fertig ist, aber niemand wirklich darüber nachgedacht hat, wie dein Angebot erklärt werden sollte.

Der Preis allein sagt deshalb erstaunlich wenig darüber aus, welche Option für dein Unternehmen tatsächlich günstiger ist.

Selbst bauen kann vollkommen vernünftig sein

Beginnen wir mit der Variante, die Agenturen gerne schlechtreden.

Manchmal solltest du deine Website einfach selbst bauen.

Ein Gründer mit einem einfachen Angebot, wenig Kapital und noch kaum validierter Nachfrage braucht nicht zwingend sofort ein großes Website-Projekt. Wenn niemand weiß, ob das Geschäftsmodell in sechs Monaten noch genauso aussieht, ist eine 25.000-Euro-Website vielleicht nicht die klügste erste Investition.

Moderne Systeme können heute sehr viel. Mit guten Templates, vernünftigen Komponenten und etwas Geschmack lässt sich eine Website bauen, die professionell genug aussieht und ihren Zweck erfüllt. Für einen Start kann das völlig reichen.

Problematisch wird Selbstbau erst, wenn „Ich spare Geld“ bedeutet, dass der Geschäftsführer drei Wochen lang abends Schriftgrößen verschiebt, Bilder komprimiert und YouTube-Videos über DNS-Einträge schaut. Dann war die Website vielleicht auf der Rechnung günstig, für das Unternehmen aber nicht unbedingt.

Zeit ist ebenfalls eine Ressource, und die eigene Zeit wird von Selbstständigen und Gründern erstaunlich gerne so gerechnet, als wäre sie kostenlos. Wenn du eine Stunde brauchst, um einen Button zu reparieren, obwohl du in derselben Stunde einen Kunden gewinnen, ein Produkt verbessern oder schlicht deine eigentliche Arbeit erledigen könntest, wird der vermeintliche Preisvorteil irgendwann dünn.

Selbstbau funktioniert deshalb am besten, wenn das Projekt einfach ist, dein Anspruch realistisch bleibt und du tatsächlich Lust oder Fähigkeit hast, einen Teil der Arbeit selbst zu übernehmen. Nicht wenn du versuchst, kostenlos eine Agentur zu spielen.

Ein guter Freelancer kann der perfekte Mittelweg sein

Freelancer werden bei solchen Vergleichen oft so dargestellt, als wären sie einfach die kleinere und günstigere Version einer Agentur. Das greift zu kurz.

Ein guter Freelancer kann für viele Projekte genau die richtige Lösung sein. Die Kommunikation ist direkt, Abstimmung meistens unkompliziert und du arbeitest unmittelbar mit der Person zusammen, die das Ergebnis tatsächlich produziert. Für eine Unternehmenswebsite überschaubarer Größe kann das hervorragend funktionieren, vor allem dann, wenn das Projekt zu den Fähigkeiten dieser Person passt.

Und genau dort liegt der wichtige Punkt: Ein Freelancer ist eine Person. Auch ein sehr guter.

Wenn du jemanden engagierst, der stark in Webdesign ist, bedeutet das nicht automatisch, dass dieselbe Person auch hervorragende Markenstrategie, Copywriting, SEO, komplexe Entwicklung, Analytics und Performance-Marketing beherrscht. Natürlich gibt es Generalisten, die viele Bereiche sehr gut abdecken. Es gibt auch Menschen, die behaupten, alles davon perfekt zu können. Bei Letzteren würde ich etwas genauer hinsehen.

Für Unternehmen wird die Freelancer-Lösung meistens dann schwierig, wenn aus einer Website langsam fünf unterschiedliche Projekte werden. Die Marke muss überarbeitet werden, Texte fehlen, es gibt einen Shop, ein CRM soll angebunden werden, jemand muss Tracking sauber aufsetzen und nach dem Launch sollte das Ganze auch noch betreut werden.

Dann ist nicht der Freelancer plötzlich schlecht. Das Projekt ist schlicht größer geworden als eine Person.

Man kann dafür mehrere Freelancer kombinieren. Das funktioniert ebenfalls. Nur übernimmt dann meistens jemand auf Kundenseite die Rolle, die sonst eine Agentur oder ein Lead übernehmen würde: koordinieren, briefen, Entscheidungen zusammenführen und sicherstellen, dass am Ende nicht fünf gute Einzelteile entstehen, die miteinander wenig zu tun haben.

Eine Agentur lohnt sich nicht, weil dort mehr Leute sitzen

Hier entsteht häufig das nächste Missverständnis.

Eine Agentur ist nicht automatisch besser, nur weil beim Kick-off fünf Menschen im Videocall sitzen und jemand „Creative Director“ unter seinem Namen stehen hat. Mehr Personen können genauso gut mehr Abstimmung, mehr Overhead und mehr Rechnungen bedeuten.

Der eigentliche Vorteil einer guten Agentur liegt woanders: Sie kann mehrere Disziplinen in einem Projekt zusammenführen. Strategie beeinflusst die Struktur, die Struktur beeinflusst den Inhalt, Inhalt und Marke beeinflussen das Design, und Design sowie technische Anforderungen beeinflussen wiederum die Entwicklung.

Bei komplexeren Projekten ist genau dieses Zusammenspiel entscheidend. Wenn ein Unternehmen mehrere Zielgruppen hat, ein erklärungsbedürftiges Produkt verkauft, einen Shop integriert, umfangreiche Inhalte besitzt oder seine Marke grundsätzlich neu aufstellen möchte, wird eine Website schnell mehr als ein paar Seiten in einem CMS.

Dann kann ein Team sinnvoll sein. Nicht weil zehn Leute automatisch schlauer sind als einer, sondern weil unterschiedliche Probleme unterschiedliche Fähigkeiten brauchen.

Dafür muss eine Agentur allerdings auch tatsächlich integriert arbeiten. Wenn Strategie, Design und Entwicklung intern genauso voneinander getrennt sind wie drei externe Dienstleister, hast du am Ende nur das gleiche Problem in einem hübscheren Büro gekauft.

Eine gute Agentur reduziert Komplexität für den Kunden. Eine schlechte Agentur verwaltet sie.

Das Budget verrät nicht automatisch, welche Option richtig ist

Ein häufiger Fehler ist, die Entscheidung ausschließlich vom verfügbaren Budget abhängig zu machen.

Wenig Geld bedeutet Baukasten, mittleres Budget bedeutet Freelancer, großes Budget bedeutet Agentur. So sauber funktioniert die Welt leider nicht.

Ein Unternehmen mit sehr hohem Umsatz kann eine extrem einfache Website benötigen. Vielleicht verkauft es über persönliche Beziehungen und braucht online hauptsächlich einen hochwertigen, glaubwürdigen Auftritt. Dann wäre ein gigantisches Digitalprojekt völliger Unsinn.

Andersherum kann ein kleines Startup technisch oder inhaltlich ein erstaunlich komplexes Produkt haben. Wenn die Website erklären muss, warum eine neue Softwarekategorie überhaupt existiert, mehrere Nutzergruppen ansprechen und Leads qualifizieren soll, kann das Projekt trotz kleiner Firma anspruchsvoll sein.

Die Größe des Unternehmens ist nicht automatisch die Größe des Website-Problems. Entscheidend ist, was die Website leisten muss. Das sollte zuerst geklärt werden, erst danach ergibt die Frage Sinn, wer sie bauen sollte.

Drei Fragen reichen oft, um die richtige Richtung zu erkennen

Die Entscheidung wird wesentlich einfacher, wenn du nicht mit „Wer baut meine Website?“ beginnst, sondern zuerst klärst, wie viel Arbeit tatsächlich dahintersteckt.

Wenn das Angebot bereits klar ist, Texte und Marke stehen und du im Grunde nur eine saubere Website brauchst, kann ein Baukasten oder ein guter Freelancer vollkommen ausreichen. Wenn dagegen noch geklärt werden muss, wie das Unternehmen online positioniert wird, welche Inhalte nötig sind, wie mehrere Leistungen strukturiert werden und welche Nutzerwege sinnvoll sind, kaufst du nicht nur Umsetzung. Du kaufst Problemlösung.

Die zweite Frage lautet: Wie viele unterschiedliche Fähigkeiten braucht das Projekt wirklich? Nicht theoretisch, sondern wirklich. Ein lokaler Handwerksbetrieb mit fünf Leistungen braucht wahrscheinlich keinen UX-Researcher, Motion Designer und dreiköpfiges Entwicklungsteam. Ein internationaler Shop mit mehreren Märkten, komplexem Produktkatalog und individuellen Prozessen vielleicht schon.

Und zuletzt solltest du ehrlich beantworten, wie viel Verantwortung du selbst übernehmen möchtest. Beim Selbstbau liegt fast alles bei dir. Beim Freelancer kannst du einen großen Teil abgeben, musst aber je nach Projekt weitere Disziplinen selbst koordinieren. Eine gute Agentur sollte deutlich mehr Gesamtverantwortung übernehmen. Genau dafür bezahlt man einen Teil des Aufpreises.

Billig wird meistens dort teuer, wo die Anforderungen nachträglich auftauchen

Viele schlechte Website-Projekte beginnen nicht mit schlechter Arbeit, sondern mit einer falschen Einschätzung.

„Wir brauchen eigentlich nur fünf Seiten.“

Dann wird gebaut.

Währenddessen fällt auf, dass niemand Texte vorbereitet hat, die Marke inkonsistent ist, vernünftige Bilder fehlen, das Kontaktformular eigentlich mit einem anderen System sprechen müsste und zwei Zielgruppen völlig unterschiedliche Informationen benötigen. Plötzlich soll doch noch ein Shop integriert werden.

Aus den fünf Seiten wird langsam ein richtiges Projekt. Nur wurde die ursprüngliche Lösung nie dafür ausgewählt.

Dann beginnt das Nachrüsten: noch ein Plugin, noch ein Freelancer, noch eine Sonderlösung, noch ein Workaround. Irgendwann hat das Unternehmen tatsächlich Geld gespart, leider nur am Anfang.

Das Gleiche kann in die andere Richtung passieren. Ein Unternehmen kauft eine umfangreiche Agenturlösung, obwohl die komplette Aufgabe mit einem guten Template, vernünftigen Texten und zwei Wochen Arbeit erledigt gewesen wäre. Überdimensionierung ist ebenfalls Verschwendung.

Eine Website sollte nicht möglichst günstig und auch nicht möglichst hochwertig produziert werden. Sie sollte angemessen gelöst werden.

Der richtige Anbieter löst dein tatsächliches Problem

Das ist für mich die sinnvollste Art, diese Entscheidung zu betrachten.

Wenn dein Problem lautet „Wir brauchen schnell einen einfachen, vernünftigen Auftritt“, dann löse genau dieses Problem.

Wenn dein Problem lautet „Unsere Website sieht alt aus, aber eigentlich verstehen Kunden unser gesamtes Angebot nicht mehr“, brauchst du wahrscheinlich mehr als neues Design.

Wenn dein Problem lautet „Unser Shop ist über Jahre gewachsen und niemand versteht mehr, wie die Systeme zusammenspielen“, wird ein schönes neues Theme ebenfalls nicht reichen.

Die Lösung sollte zur Aufgabe passen, nicht zum Ego des Dienstleisters.

Ein Baukastenanbieter wird dir verständlicherweise zeigen, wie viel du selbst machen kannst. Ein Freelancer wird dir erklären, warum direkte Zusammenarbeit effizient ist. Eine Agentur wird die Vorteile eines Teams hervorheben. Alle können damit recht haben.

Du musst nur herausfinden, welche Art von Problem du gerade tatsächlich vor dir hast.

Wo DesignPodio dazwischenliegt

Genau diese Frage war auch ein Grund dafür, warum wir DesignPodio nicht als klassische Agentur aufgebaut haben.

Viele Unternehmen brauchen kein monatelanges Großprojekt, nur um eine vernünftige Website oder einen Shop zu bekommen. Standardisierbare Dinge dürfen standardisiert sein. Hosting, technische Grundlagen, grundlegende Website-Strukturen und Commerce müssen nicht für jedes Unternehmen neu erfunden werden.

Gleichzeitig stößt Selbstbedienung irgendwann an Grenzen. Dann braucht es jemanden, der Branding weiterentwickelt, eine individuelle Seite gestaltet, einen Prozess verbessert oder Funktionen entwickelt, die es nicht einfach fertig im Baukasten gibt.

Deshalb verbinden wir bei DesignPodio beides: ein standardisiertes Fundament für die Dinge, bei denen Individualentwicklung meistens keinen Mehrwert bringt, und den Design Service für die Dinge, bei denen individuelle Arbeit tatsächlich wichtig wird.

Nicht jedes Unternehmen braucht sofort ein großes Agenturprojekt. Es sollte aber auch nicht seine komplette digitale Infrastruktur selbst verwalten müssen, nur weil es kein großes Agenturprojekt braucht.

Fang nicht beim Anbieter an

Die Frage „Baukasten, Freelancer oder Agentur?“ ist deshalb eigentlich einen Schritt zu früh gestellt.

Frag zuerst, was deine Website leisten soll, welche Probleme noch ungelöst sind und wie viel davon du selbst übernehmen möchtest. Danach wird die Wahl meistens deutlich einfacher.

Vielleicht reicht ein Nachmittag mit einem guten Website-Builder, vielleicht brauchst du einen erfahrenen Freelancer oder tatsächlich ein ganzes Team. Und manchmal liegt die vernünftige Lösung irgendwo dazwischen.

Teuer wird es meistens nicht dadurch, dass du zu viel für eine Website bezahlst. Teuer wird es, wenn du die falsche Lösung kaufst und zwei Jahre später noch einmal von vorne anfängst.

  • Produkte
  • Design Service
  • Preise
  • Mehr