Wir brauchen keine Website. Wir haben doch Instagram.
Instagram kann hervorragend darin sein, Menschen auf ein Unternehmen aufmerksam zu machen. Es zeigt Produkte, Persönlichkeit und Arbeit, baut Reichweite auf und sorgt oft überhaupt erst dafür, dass eine Marke entdeckt wird.
Was Instagram deutlich schlechter kann: ein Unternehmen vollständig erklären, Angebote sinnvoll strukturieren, Vertrauen bei größeren Kaufentscheidungen aufbauen und Interessenten zuverlässig zum nächsten Schritt führen.
Social Media und Website erledigen unterschiedliche Jobs. Wer versucht, die Website komplett durch Instagram zu ersetzen, spart sich deshalb nicht einfach eine Website. Er zwingt eine Plattform, etwas zu übernehmen, wofür sie nie gebaut wurde.
Instagram ist nicht das Problem
„Wir brauchen keine Website. Wir haben doch Instagram.“
Der Satz klingt zunächst gar nicht so bescheuert. Gerade kleine Unternehmen, Creators, Coaches oder lokale Anbieter können heute innerhalb weniger Stunden ein ordentliches Instagram-Profil aufbauen. Du kannst dein Produkt zeigen, Ergebnisse posten, Kundenstimmen teilen, Einblicke hinter die Kulissen geben und dabei deutlich menschlicher wirken als auf den klassischen Unternehmenswebsites, auf denen seit 2019 dieselben vier Mitarbeiter mit verschränkten Armen vor einer Betonwand stehen.
Für viele Unternehmen ist Instagram sogar einer der wichtigsten Orte, um überhaupt entdeckt zu werden. Ein gutes Reel kann in wenigen Tagen mehr Menschen erreichen als eine neue Website in einem halben Jahr. Ein interessantes Profil schafft Nähe, zeigt Persönlichkeit und vermittelt einen Eindruck, den zehn sauber formulierte „Über uns“-Absätze niemals hinbekommen würden.
Das Problem beginnt erst dort, wo aus „Instagram funktioniert gut für uns“ plötzlich „Dann brauchen wir den Rest nicht mehr“ wird.
Das ist ungefähr so, als würde ein Restaurant feststellen, dass die Terrasse im Sommer hervorragend läuft, und deshalb beschließen, Küche und Innenraum abzuschaffen. Ein Teil funktioniert gut. Daraus folgt noch lange nicht, dass er alles andere ersetzen kann.
Aufmerksamkeit und Orientierung sind zwei verschiedene Dinge
Instagram ist darauf gebaut, Aufmerksamkeit zu verteilen und Menschen möglichst lange in der App zu halten. Genau deshalb ist die Plattform für Unternehmen so interessant. Menschen entdecken dort Produkte, Personen und Marken, nach denen sie vorher überhaupt nicht gesucht haben.
Irgendwann wird aus einem Menschen, der beiläufig einen Post sieht, aber ein Interessent. Und ein Interessent hat andere Fragen.
Was genau bietet ihr an? Für wen ist das gedacht? Wie funktioniert es? Was kostet es? Gibt es vergleichbare Projekte? Kann ich euch vertrauen?
Natürlich kannst du all diese Informationen irgendwo auf Instagram verteilen. Ein bisschen davon landet in der Bio, anderes in angepinnten Posts, einiges in Story-Highlights und den Rest erklärst du per DM. Theoretisch funktioniert das.
Theoretisch kannst du deine Steuerunterlagen auch in einer Schuhschachtel sortieren.
Eine Website kann dieselben Informationen nach ihrer Bedeutung ordnen. Leistungen bekommen vernünftige Seiten, Referenzen einen eigenen Platz, Preise, Prozesse, Produkte und Kontaktmöglichkeiten stehen dort, wo ein Mensch sie erwarten würde.
Instagram sortiert deine Kommunikation dagegen nach einem anderen Prinzip: Was ist neu, was bekommt Engagement und was hält Menschen in der App?
Das ist nicht dasselbe wie: Was muss ein potenzieller Kunde wissen, um eine vernünftige Entscheidung zu treffen?
Je größer diese Entscheidung wird, desto deutlicher merkt man den Unterschied. Einen Kuchen für Samstag kann man problemlos nach zwei Nachrichten bestellen. Bei einer 8.000-Euro-Beratung, einem Anwalt, einer Privatklinik, Unternehmenssoftware oder einem Architekturbüro möchten die meisten Menschen irgendwann genauer hinschauen.
Wer steckt dahinter? Wie arbeitet die Firma? Welche Erfahrung gibt es? Ist das Angebot sauber beschrieben? Wirkt das Ganze stabil?
Eine Website ist dafür kein magischer Seriositätsstempel. Eine schlechte Website kann genauso Vertrauen zerstören. Aber eine gute Website gibt einem Unternehmen die Möglichkeit, sich vollständig und in seinem eigenen Kontext zu präsentieren, statt zwischen einem Fitness-Reel und einem Hund im Regenmantel um Aufmerksamkeit zu kämpfen.
Dein Instagram-Profil ist dein Kanal. Es ist nicht deine Infrastruktur.
Das wird gerne unnötig dramatisch formuliert: „Du besitzt deine Follower nicht!“
Stimmt im Kern, klingt aber manchmal so, als würde morgen jemand von Meta persönlich vorbeikommen und den Laden abschließen.
Die nüchterne Wahrheit reicht.
Du bestimmst auf Instagram nicht die Oberfläche, nicht die langfristigen Funktionen und nicht, wie deine Inhalte verteilt werden. Ein Post erreicht 50.000 Menschen, der nächste kaum jemanden, obwohl du nicht plötzlich vergessen hast, wie dein Unternehmen funktioniert.
Das ist der Deal. Du bekommst Zugang zu einer riesigen Plattform und ihrer Reichweite. Dafür spielst du nach deren Regeln.
Auf deiner Website entscheidest du selbst, was Besucher zuerst sehen, wie dein Angebot aufgebaut ist und wohin du Menschen führen möchtest. Du hast einen eigenen Kontext, in dem dein Unternehmen nicht alle zwei Sekunden mit dem nächsten Wisch nach oben konkurriert.
Deshalb muss die Website Instagram auch nicht ersetzen.
Die beiden Kanäle können völlig unterschiedliche Dinge gut. Instagram kann dafür sorgen, dass jemand deine Arbeit entdeckt, dich eine Weile verfolgt und ein Gefühl für deine Marke bekommt. Die Website übernimmt danach den Teil, bei dem aus lockerem Interesse eine ernsthafte Entscheidung wird.
Sie gibt der Aufmerksamkeit Struktur.
Der Interessent findet dort nicht einfach nur mehr Content, sondern Antworten. Er kann Leistungen verstehen, Projekte ansehen, Produkte kaufen oder sich gezielt melden.
Social Media bringt Menschen zur Tür. Die Website sorgt dafür, dass dahinter nicht nur ein leerer Raum mit einem Link-in-Bio-Schild steht.
Je besser Instagram funktioniert, desto wichtiger wird, was danach passiert
Das ist der Punkt, der gerne übersehen wird.
Wenn Instagram kaum Reichweite erzeugt, fällt eine schwache Website vielleicht nicht besonders auf. Wenn deine Inhalte dagegen regelmäßig zehntausende Menschen erreichen und ein Teil davon ernsthaft interessiert ist, wird jeder unnötige Bruch plötzlich relevant.
Dann möchtest du nicht, dass jemand auf deinen Link klickt und auf einer Website landet, die aussieht, als hätte seit 2018 niemand mehr das Passwort gefunden.
Das passiert erstaunlich oft. Social Media ist modern, schnell und hochwertig produziert. Die Marke wirkt dort lebendig. Dann klickt man auf die Website und landet in einer anderen Zeitrechnung: andere Farben, andere Sprache, alte Bilder und irgendwo im Footer ein Copyright-Jahr mit historischem Wert.
Damit verliert die Website nicht nur eine Gelegenheit. Sie beschädigt aktiv den Eindruck, den Social Media gerade aufgebaut hat.
Wenn jemand über Instagram Vertrauen gewinnt und die Website anschließend Zweifel erzeugt, arbeiten deine Kanäle gegeneinander.
Was das für DesignPodio bedeutet
Bei DesignPodio sehen wir Social Media nicht als Gegner einer Website. Gute Inhalte können einer Marke enorm helfen, sichtbar zu werden, Persönlichkeit aufzubauen und Menschen überhaupt erst auf ein Unternehmen aufmerksam zu machen.
Nur endet die Arbeit nicht mit Aufmerksamkeit.
Ein gutes Instagram-Profil sollte zu derselben Marke gehören wie die Website. Das Angebot, das in einem Reel interessant klingt, sollte dort verständlich erklärt werden. Ein Produkt, das auf Social Media Aufmerksamkeit bekommt, sollte anschließend vernünftig gekauft werden können, ohne dass jemand „PREIS?“ unter den Beitrag schreiben muss.
Mit Websites und Commerce entsteht dafür die Grundlage. Der Design Service setzt dort an, wo Marke, Inhalte, Kampagnen oder individuelle Funktionen weiterentwickelt werden müssen.
Das Ziel ist nicht, Menschen von Instagram wegzubekommen. Sie dürfen Instagram lieben.
Sie sollen nur nicht dort stranden.
Instagram kann deine Bühne sein. Es sollte nicht dein ganzes Unternehmen sein.
Wenn Instagram für dein Geschäft funktioniert, nutze es. Produziere Content, baue Reichweite auf, zeige Produkte, Mitarbeiter, Arbeit und Persönlichkeit. Es gibt keinen vernünftigen Grund, einen funktionierenden Kanal kleinzureden, nur weil man selbst Websites verkauft.
Aber gib der Aufmerksamkeit einen Ort, an dem sie ernst werden kann.
Einen Ort, an dem ein Interessent dein Angebot vollständig versteht, sich in Ruhe informieren, etwas kaufen oder den nächsten Schritt machen kann, ohne zuerst deine Story-Highlights aus dem vergangenen Sommer zu studieren.
Instagram kann dafür sorgen, dass Menschen dich entdecken.
Deine Website sollte dafür sorgen, dass sie danach wissen, womit sie es zu tun haben.